Was haben Götter und große Konzerne gemeinsam? Sie lassen Menschen auflaufen. Persönliche Anfragen werden nicht beantwortet, Einzelschicksale sind nichts, berechtigte Einwände werden zur Vorsicht erst einmal gar nicht zur Kenntnis genommen bzw. mit Verweis auf die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehenden Publikationen "beantwortet". Genau so reagiert die deutsche Sektion der Wachtturmgesellschaft auf Briefe, die man an sie richtet.
Der Text steht jeweils unterhalb der Abbildung noch einmal.

An die
Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft,
Deutscher Zweig, e.V.
Am Steinfels
6251 Selters/Taunus 1
Sehr geehrte Herren!
Ihre Antwort vom 20. August 1985 hat mich auf der ganzen Linie enttäuscht. Die Fähigkeit, sich anderer Leute Gedanken gegenüber zu öffnen, diese damit zu überprüfen, sie zu werten und zum Nutzen aller anzunehmen oder zu verwerfen, lassen Sie vermissen. Desgleichen die Abordnung der hiesigen Glaubensbrüder.
Diese waren lediglich darauf eingestellt, mit dem üblich ausgearbeiteten Programm niederzumetzeln, was auch nur im entferntesten daran erinnern könnte, ein Abbild einer langjährigen Beziehung zu dem lebendigen Gott zu sein. Jedoch konnten sich Ihre Glaubensbrüder lediglich auf polemische Weise meinen Einwänden entziehen. Sie sind im Laufe des Gesprächs nicht mit einem Wort auf die speziell von mir angesprochenen Gedankengänge eingegangen. Selbst als ich die Sprache darauf bringen wollte, wurde mir geantwortet, das sei uninteressant. Gleichzeitig machte man mir den Vorwurf, ich wolle mit diesem nur Zwietracht säen. Nach wie vor bin ich der Meinung, daß entweder meine Briefe interessant und überprüfenswürdig sind oder Zwietracht säen damit unmöglich ist.
Aus Ihrem konzertierten Verhalten kann ich nur schließen, daß Sie mich am liebsten totschweigen möchten. Das Recht dazu haben Sie. Ich bin nicht beleidigt, wenn Sie die Briefe von mir ungelesen wegwerfen. Denn ich schreibe Ihnen nicht aus Geltungssucht, sondern weil ich etwas auf dem Herzen habe:
Was ich Ihnen wieder sage, ist: Jesus ist Gott. Durch den Glauben an Ihn geschieht uns Rettung, Heiligung (Wandlung zum Guten durch Seine Kraft), Vergebung der Sünden.
Dies schreibe ich Ihnen, damit Sie vor Gott keine Rechtfertigung haben, wenn Sie zur Rechenschaft gezogen werden.

Ich verstehe zwar, daß Sie dazu geneigt sind, sich besonders den Menschen zu widmen, die von Herzen unschwer zu verführen sind und Ihnen mit Lust auf den Leim gehen. Aber ich habe kein Verständnis dafür. - Auch nicht sicherlich, wie Sie so diplomatisch formulieren.
Mir erscheint es verdächtig, wenn Sie sich jeder am Problem orientierten Auseinandersetzung entziehen und nur daran interessiert sind, den Schaden möglichst gering zu halten.
Glauben Sie, Sie könnten so dem Willen Gottes auf den Grund gehen? Ist es nicht alarmierend, wenn man vor lauter Schriftkenntnis und -auslegung nicht mehr in der Lage ist, sich einem offenen Gespräch zu stellen?
Dienen Sie Jehova damit?
Oder eher nur sich selbst?
Wenn auch nur ein Zeuge Jehovas mit dem Geist Gottes erfüllt wäre, wenn auch nur der geringste Kontakt zu Gott bestünde, hätten Sie es nicht nötig, Ihre privaten Adressen zu verheimlichen. Sie sind sich sehr wohl im Klaren darüber, daß ein echter Christ in der Lage ist, einen Zeugen Jehovas mit der Sinnlosigkeit seines Strebens bekannt zu machen. Denn Sie hoffen nicht auf Jehova, sondern in Wirklichkeit auf Ihre "guten Werke". - Und das tun die Moslems auch. Fragen Sie bei jeder heute existierenden Religion oder Sekte nach, und Sie werden überall diese "Gutewerkehoffnung" vorfinden. Die Zeugen Jehovas unterscheiden sich heute nur noch im Detail von der großen Antichristbewegung, die von der uneingeschränkten Liebe und Vergebung der Sünden durch Glauben abzulenken versucht.
Deshalb verbleibe ich nicht mit freundlichen Grüßen, sondern mit Warnung.
Wenn sich das auch abstoßend anhört, so möchte ich Ihnen doch klar sagen, daß ich dies alles um Ihretwillen wage zu schreiben.
Ich kämpfe gerne auf der Seite des Stärkeren. Denn Jesus ist Sieger. Er hat die Lösung geschaffen.
Rüdiger Hentschel