Denkschrift an die Ältesten

Information von Walter N.

In Österreich haben einige Zeugen Jehovas damit begonnen, die Doktrin der Wachtturm-Gesellschaft zu prüfen. Diese österreichischen Ex-Zeugen Jehovas sind nun Zeugen Jesu. Die folgende Denkschrift wurde an die Ältesten der Zeugen Jehovas gerichtet.

Der treue und verständige Sklave (Mat. 24:45-47, 1. Kor. 4:2)

Wie man in der Anfangszeit (unter Russel und Rutherford) diese Schriftstelle sah, darauf möchte ich jetzt nicht eingehen (die ganze Geschichte sollte jeder für sich selbst studieren und sich ein persönliches Bild davon machen).

Worum es uns, meiner Frau und mir, im Wesentlichen geht:

Wie kam es dazu, einem Gleichnis von vielen einen derartigen Anspruch auf Autorität als Organisation zuzuschreiben?

Nicht allein ihre Auslegung sondern auch die Art, wie sie angewendet wird, entspricht ganz und gar nicht der Sprache der Bibel (wie durch die anderen Gleichnisse bestätigt wird). Jedenfalls sah man mit der Zeit den treuen und verständigen Sklaven im „geweihten Volke Gottes“. Nachdem man Jahrzehnte lang lehrte, der Sklave sei die Gesamtheit aller gesalbten Christen (WT 1.März 1981 S. 24). lehrt man seit 2013, der Sklave ist keine 1900 Jahre alt (nicht seit Pfingsten 33), sondern seit 1919 als Jesus zu seinem Tempel kam, eingesetzt worden.

Außerdem wird das Gleichnis nicht mehr auf die Gesamtheit aller „gesalbten“ Christen angewandt, sondern nur auf die leitende Körperschaft (Governing Body = „Regierende oder Herrschende Körperschaft“), derzeit 7 Personen (WT 2013 März).

Matthäus 23:8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn einer ist euer Meister, der Christus; ihr aber seid alle Brüder.

Grundlegend wird durch diese Auslegung die Ansicht legitimiert und durchgesetzt, Gott und Christus handelten mit den Menschen nur durch eine perfekt durchstrukturierte Organisation und diese sei mit der Wachtturm-Gesellschaft verbunden.

Matthäus 24,23 Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus, oder dort, so glaubt es nicht!

Mit diesem Gleichnis vom treuen und verständigen Sklaven wird wie durch die übrigen ähnlich lautenden Gleichnisse keine Lehrbefugnis - keine Machtstellung - keine Autorität über die Millionen anderen Christen legitimiert - keine übergeordnete Stellung - kein Zentralismus - zumal dadurch jeden einzelnen Christen die Verantwortung abgenommen wird, für sich selbst zu entscheiden und einen starken Glauben an den Vater und den Sohn zu entwickeln, und stattdessen ein Glaube (oder sollte man lieber sagen) ein Organisationsglaube gefordert wird, ohne den man nicht gerettet werden kann (WT 2015 März S.27 Abs. 7 „Wovon hängt die Beurteilung ab?“).

Es ist festzuhalten, dass Jesus, wenn er in Gleichnissen sprach, immer erwähnte, dass es sich um ein Gleichnis handelte. Er ließ seine Zuhörer nie im Unklaren darüber, ob es sich um eine tatsächliche Begebenheit oder vielleicht sogar um eine prophetische Vorhersage handelte oder um eine Veranschaulichung. Oft schob er einem Gleichnis noch ein zweites hinterher, um den gleichen Gedanken noch einmal zu bekräftigen.

So auch in Verbindung mit Matthäus 24:45-48, hier schließt er das Gleichnis von den 5 klugen und 5 törichten Jungfrauen an, die den gleichen Sachverhalt oder Lehrpunkt enthalten wie das Gleichnis von dem „treuen und verständigen Sklaven“.

Bemerkenswert ist, dass die Wachtturm Gesellschaft eigentlich nur Matthäus 24:45 anführt als Beweis für die Existenz einer sogenannten „Sklavenklasse“.

Warum führt er nicht den Paralleltext aus Lukas 12:37-41 an?

Ganz einfach, weil diese Verse eindeutig zeigen, dass es sich hier um ein klassisches Gleichnis handelt und nicht um ein prophetische Vorhersage oder Ankündigung, dass es eine von Jesus eingesetzte „Sklavenklasse“ geben wird, die „geistige Speise“ austeilt.

Es geht nicht um das Austeilen von „geistiger Speise“ und auch nicht um das „Einsetzen“ über die angeblich „irdische Habe Jesu“, sondern um Wachsamkeit und das Bereit-Sein des einzelnen Christen bis zur Wiederkunft des Herrn.

Gottes vollständiges Wort, besonders die christlich griechischen Schriften, benötigt keinen Zusatz und stellt die vollkommene geistige Speise dar. Desweiteren benötigt es keine Erweiterung, keine zusätzliche Auslegung und schon gar keine zusätzlichen Prophezeiungen und vor allem keine zeitlichen Berechnungen (1914, 1919, 1925, 1975, 1994).

Offenbarung 22,18-19 Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.

Nachdem man seit 2013 lehrt, es hätte im 1. Jahrhundert seit Pfingsten 33 keinen treuen Sklaven gegeben, ist es nur logisch zu schlussfolgern, dass es erst recht nicht ab 1919 einen Sklaven in Form einer Klasse oder Gruppe mit dieser Machtfülle geben sollte.

Dieser zu Unrecht gestellte Anspruch gründet sich meiner Meinung nach auf eine Hierarchie, ähnlich wie in etablierten Religionssystemen, totalitären Regierungen und Parteizugehörigkeiten. Nur mit dem Unterschied eines nach außen hin demütigen „Sklaven“. Dieser Deckmantel weist schon viele Löcher und Risse auf (ein Glaubensgebäude, das immer mehr wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, z.B. ständige Änderung in der Lehre, weil sie auf Sand gebaut waren).

Weil man aber zwanghaft an vielen falschen Annahmen festhält, z.B. 1914/1919, muss man immer mehr Autorität und Macht ausspielen (z.B. überlagernde Generation). Dadurch kommt man in eine Spirale, die weit ab von apostolischem und christlichem Gedankengut führt, ja sogar in eine legalistische gesetzmäßige Anwendung des Wortes Gottes gleich den geistlichen Führern in den Tagen Jesu.

Paulus hat sich explizit gegen die superfeinen Apostel ausgesprochen, die die Christen an das mosaische Gesetz binden wollten.

Galater 2:5-6 denen gaben wir auch nicht eine Stunde nach, daß wir uns ihnen unterworfen hätten, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe. Von denen aber, die etwas gelten — was sie früher waren, ist mir gleich; Gott achtet das Ansehen der Person nicht —, mir haben diese Angesehenen nichts weiter auferlegt;

Dieses Schreiben sollte nicht anderen das Denken und Studieren abnehmen, sondern im Gegenteil dazu animieren, sein eigenes Denkvermögen zu schärfen und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen, „denn jeder muss vor dem Vater und Sohn geradestehen können und sich nicht auf ein Religionssystem stützen und jegliche Verantwortung von sich weisen mit der Begründung, er habe nur nach dem gehandelt, was ihm eine besagte Organisation zu tun angewiesen hätte.

Römer 14:12 So wird also jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben.

Zu viele Beispiele in der Geschichte zeigen, dass man sich letztlich nicht „abputzen“ kann. „Mich persönlich treffe keine Schuld, weil ich habe nur getan, was andere mir angewiesen haben.“

Galater 1:4-12 der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns herausrette aus dem gegenwärtigen bösen Weltlauf, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, dem die Ehre gebührt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Mich wundert, daß ihr euch so schnell abwenden laßt von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem anderen Evangelium, während es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! Wie wir es zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium verkündigt als das, welches ihr empfangen habt, der sei verflucht! Rede ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich allerdings den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich nicht ein Knecht des Christus. Ich lasse euch aber wissen, Brüder, daß das von mir verkündigte Evangelium nicht von Menschen stammt; ich habe es auch nicht von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi.

Nach den Worten Jesu ist die wahre christliche Handlungsweise an ihren Früchten zu erkennen, nicht an einer Organisation!

Matthäus 7,20 Darum werdet ihr sie an ihren Früchten erkennen.

Matthäus 12,33 Entweder pflanzt einen guten Baum, so wird die Frucht gut, oder pflanzt einen schlechten Baum, so wird die Frucht schlecht! Denn an der Frucht erkennt man den Baum.

Kann man wirklich ehrlichen Gewissens behaupten, eine Organisation, die ein halbes Jahrhundert Kindesmissbrauchsvertuschung betrieben hat (ähnlich wie die katholische Kirche), immer den heiligen Geist Gottes besessen hat?

Oder die vielen Selbstmorde in unseren Reihen seien einzig und allein auf einen geistig kranken Menschen und nicht auf einen unter massivsten psychologischem Druck stehenden Bruder oder Schwester zurückzuführen, die oft nicht mehr weiterwussten, aus welchen Gründen auch immer?

Zum Beispiel Überforderung in Bethelheimen, Überforderungen durch den Druck primär im Dienst zu stehen, ansonsten würde man „Blutschuld“ auf sich laden, bis hin zu Opfern (Kindesmissbrauch, Vergewaltigung), die zu Tätern gestempelt wurden, weil ihnen nicht Gerechtigkeit widerfahren ist, ja sogar unter Androhung von Ausschluss mundtot gemacht wurden, falls sie an die Öffentlichkeit gehen.

Es liegt mir fern, mit diesen Worten jemanden herabzusetzen. Es sollten lediglich einige zum Nachdenken und Nachforschen anregende Zeilen sein. Wie verhält es sich mit wortwörtlich Hunderten von Subliminals in unserer Literatur, angefangen von Zeitschriften, Wachttürmen über Broschüren, Büchern - hin zu den monatlichen „Leben und Dienst als Christ“. Hexen, Dämonen, Böcke, Masken und vieles mehr. Seit Russel wurden auch immer wieder religiöse oder Freimaurer- und Templer-Symbole, wenn auch in sporadischer Weise, verwendet. Was hat ein wahrer Christ mit Dämonen, Masken, Gesichtern und Symbolen zu tun oder mit dem Zukaufen von Musik (Kongress 2016 Paradies Video) von einer dämonischen Band (Audiomachine, bereits bestätigt!)? Es scheint, dass der Anspruch, das einzig wachsame Volk Gottes zu sein, Lügen gestraft wird.

Seit 20 Jahren, als ich mein Ältestenamt zurückgelegt habe (Hauptgrund war ein Schreiben vom Zweigbüro, dass Älteste, falls Kindesmissbrauchsfälle in der Versammlung Gmunden auftauchen sollten, sie nicht an die Behörden weitergeleitet werden sollten), sind uns viele Ansichten und Lehren aufgefallen, die nicht mit der Bibel bzw. mit den christlich griechischen Schriften in Übereinstimmung sind.

Zum Beispiel die „anderen Schafe“ aus Johannes 10:16, die seit 36 u.Z. eingesammelt werden und nicht erst seit 1935. Gemäß Sach. 8:20-23 (Siehe das Buch „Das Paradies für die Menschheit durch die Theokratie wiederhergestellt“ S. 254-256).

Während dieser Zeit (ca. 36 Jahre) haben meine Frau und ich unentwegt Dienst erbracht und keinen Monat verstreichen lassen, ohne Bericht inkl. 4 Jahre Pionierdienst und auch anderwärtig die Organisation unterstützt (monatlichen Spenden, ein nicht zurückgefordertes Darlehen usw.). In der ständigen Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden würde, haben wir über dies Jahrzehnte zugewartet, in der Annahme, Jesus werde sein Volk abermals reinigen von solchen falschen Ansichten.

Wenn dies für eine christliche Sache ist, so würden wir diese weiterhin großzügig unterstützen, wenn es aber für eine Amerikanische Freimaurersekte gewesen sein sollte, dann möchten wir uns von nun an voll und ganz für Jesus Christus einsetzen und den „Schmach des Christus“ auf uns nehmen. Auch wenn das bedeutet von euch als abtrünnig und dämonisch angesehen zu werden!

Hebräer 11,26 da er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze, die in Ägypten waren; denn er sah die Belohnung an.

Zurückkommend auf das eingangs erwähnte Gleichnis ist es absolut unverständlich, einerseits zu erklären (neues Licht seit 2013), der unverständige Sklave im Gleichnis beschreibe keine Klasse oder Gruppe von Menschen, andererseits aber der treue und verständige Sklave sei (nach neuem Licht) zwar keine Klasse von Menschen (wie so lange gelehrt), aber dennoch eine Gruppe von derzeit 7 Personen.

Wenn das Wort „wenn“ im Vers 48 von einem hypothetischen Fall spricht, warum soll dann das gleiche Wort im Vers 46 nicht auch einen hypothetischen Fall bezeichnen? (WT 1.3.2004 S.13 – 18)

Wenn daher der böse Sklave keine fest definierte Klasse oder Gruppe ist, warum soll dann der treue Sklave eine besondere Klasse oder Gruppe von 7 Personen darstellen?

Wenn der treue Sklave ein Kollektiv sein soll, warum ist dann der böse Sklave kein Kollektiv? Um diesen Irrtum zu erkennen, ist keine besondere geistige Offenbarung notwendig, vielmehr ein gesunder und unvoreingenommener Hausverstand.

Liebe Grüße,

Walter N.

PS.: Anbei befindet sich das Gesprächsprotokoll mit Bruder Lösch (falls ihr es von Br. L. nicht erhalten habt).


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Erstellungsdatum: 01.02.2017 ♦ DruckversionLinks auf andere Internetseiten