Erweckung

von "Unbekannt"

Doch fahren wir im Gleichnis fort! Der Sohn kam zu einem Entschluss; es war ein notwendiger Entschluss! Er will sich aufmachen und zurückkehren, dazu auch bekennen vor dem Vater: "Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!"

Ja, der Sohn kam zu sich, wurde wach, wurde erweckt! Das war die Voraussetzung, aus seiner Verlorenheit herauszukommen; er schlug nicht mehr um sich, hielt nicht mehr Anklagen gegen Gott oder gegen andere Menschen oder auch gegen die Verhältnisse; nein, er ging in sich, klagte sich selbst an. Ein heilsamer Augenblick!

Und er fasst den Entschluss, zurückzukehren: nicht zu einem harten Herrn, auch nicht zu einer Kirche oder Organisation, sondern zum Vater - oder wir können auch sagen: zu Christus, denn niemand kommt zum Vater als durch ihn (Johannes 14:6).

Hier geht es nicht darum, Menschen zu bestimmten Ansichten zu bekehren oder zu bestimmten Morallehren; man bekehrt sich zum Herrn! Der Sohn will von den Schweinen ins Vaterhaus zurück - von Sünde zur Gotteskindschaft, aus der Finsternis in den Sonnenschein Gottes, aus der Hoffnungslosigkeit zur Hoffnung, aus dem Bereich des »Gottes dieser Welt« in das Reich des Sohnes!

Allerdings bleiben auch auf dieser Entwicklungsstufe viele stehen; sie erkennen ihre Situation, kehren aber - aus den unterschiedlichsten Gründen - dann doch nicht um. Sie bleiben in der Gottferne, trotz ihrer Einsicht, setzen ihre Erkenntnis nicht in die Tat um.

Gott schweigt

Es ist interessant zu bemerken, dass bis dahin - von Vers 11 bis Vers 19 - der Vater schweigt. Das sehen wir auch im Leben; Gott gewährt dem Menschen Entscheidungs- und Handlungsfreiheit. Er zwingt nicht! Er hofft auf Rückkehr, hält Ausschau, lädt ein durch Christus und sein Wort, aber der Mensch ist frei zu wählen; zu jedem Zeitpunkt im Ablauf des Geschehens kann der Mensch neu entscheiden; allerdings ist er auch für die Folgen seines Handelns verantwortlich.

Gott wartet; man kann sich von ihm lossagen, man kann seine Gebote übertreten, man kann ohne ihn leben; doch Jeremia 2:19 gilt: "Also musst du innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott [zu] verlassen ..." (Luther).

Im Gleichnis hat der Sohn nicht nur den Entschluss zur Umkehr - was eigentlich auch die genaue Bedeutung des Wortes Buße ist - gefasst, er verwirklicht ihn auch! Er kehrt zurück, sofort, so wie er ist, von den Schweinen her, verhungert, schmutzig, zerlumpt! Und er hat schon vor sich selbst bekannt: "Ich habe gesündigt!"

Viele geben zu, dass sie Fehler gemacht oder sich geirrt hätten; doch solche Bekenntnisse bedeuten im Leben nicht viel, sind auch vor Gott nichts wert. Der verlorene Sohn sagt auch nicht: "Wir sind ja alle Sünder". Nein, er bekennt, dass er, er selbst gesündigt hat, Sünder ist! Das ist sehr wichtig, denn echte Buße setzt ein Urteil über sich selbst voraus! Er muss dazu die Mauern seiner Selbstliebe, seines Eigendünkels niederreißen; um das Wohlgefallen an sich selbst umzustürzen. Dazu bedarf es wahrlich der Hilfe des Geistes Gottes.

Doch ohne diese Bekehrung zum Herrn, zu Jesus Christus, ohne diese Umkehr geht es nicht! Der Sohn hätte auch in der Ferne religiös bleiben, Zusammenkünfte besuchen und Andachten bei den Schweinen halten können: ohne Umkehr zum Herrn, zum Vater, hätte das nichts genützt.

Darum ist es auch wichtig zu sehen, wie uns Gottes Wort durch den Heiligen Geist anspricht; viele Leute haben Erkenntnis; Erkenntnis ist gut, aber wenn das alles ist, fuhrt sie sie nur zu einem Verstandeschristentum; andere betonen das Gefühl; sie fühlen sich erhoben von eindrucksvollen Predigten und Ritualen; aber im Alltag bewirkt das Gefuhl nichts. Dann gibt es Christen, die auf ihren Willen bauen, die Gott dienen wollen, Leistungschristen. Aber am Ende resignieren sie, müde, erschöpft, ausgebrannt.

Gottes Wort aber wendet sich nicht zuerst an Verstand, Gemüt oder Wille, sondern es geht in die Tiefe, zielt auf unser Gewissen. Dann lernt man sich sehen, wie Gott uns sieht. Das widerfuhr auch dem verlorenen Sohn.

Rückkehr

Und so machte er sich auf zur Rückkehr, eine Rückkehr, auf Gnade hin. Er konnte nur als Bittender zu Gott durch Christus zurückkehren! Ansprüche hatte er nicht! Er hatte die Liebe des Vaters mit Füßen getreten, seine Worte missachtet, sie als Zwang empfunden und deshalb hinter sich geworfen. Er hatte sein Leben ohne den Vater gestaltet; er hatte keine Rechte mehr an ihn; der Vater musste sich nicht freuen über seine Rückkehr!

Und er kehrte zurück so wie er war; seine Lumpen nahm er mit; er wurde nicht erst schön gemacht, hergerichtet! Doch das durfte er tun, denn wer es auf Gottes Gnade hin wagt, der darf es ganz wagen, mit allen Fehlern, Gebrechen, Zweifeln, Sünden! Er darf sich dem Sünderheiland und dem Vater in die Arme werfen! Und so ist es bei uns allen; es ist eine Rückkehr auf Gnade hin! Wir dürfen heimkehren als Gottes Geschöpfe.

Indessen wartete der Vater schon und sah ihn von weitem kommen. Schon in Bezug auf das Volk Israel hatte Gott gewartet: "Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt ..." (Römer 10:21); Gott wünscht die Rückkehr der Menschen zu ihm; darum hat er seinen Sohn als Lösegeld gegeben: "... ihn, der um unserer Übertretungen willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt worden ist" (Römer 4:25). Und der Herr sieht den Sohn kommen. Wie geht die Sache mit der Rückkehr nun weiter?


Kommentare

Fotos für Tablet oder Handy



Kommentar schreiben:
Name:   E-Mail: 
Bitte aktivieren Sie zum Absenden diese Checkbox und warten Sie einige Sekunden, bevor Sie auf "senden" klicken:
Ihr Kommentar erscheint auf dieser Seite spätestens nach 24 Stunden.
Warum werden nicht alle Kommentare veröffentlicht?
Erstellungsdatum: 08.01.2008 ♦ DruckversionLinks auf andere Internetseiten