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Wachturm schreibt man eigentlich mit tt, viele schreiben Wachturm. Wachturm ist aber nicht richtig.
2 Kommentare online

Die Generation 1995

von "Unbekannt"

Und zeitgemäß »gab Gott neues Licht«; er offenbarte etwas, was anderen Gemeinschaften schon lange bekannt war und was auch kritische Zeugen einige Jahre zuvor schon angekündigt hatten. Das heißt aber nicht, dass sich die leitende Körperschaft auch nur für die zu Unrecht verhängten disziplinierenden Maßnahmen entschuldigt hätte, die sie den Brüdern auferlegt hatte, welche die damals »gesunde Lehre«, die jetzt falsch war, nicht vertreten hatten. Nein, der Sklave entschuldigt sich nie; denn nicht er hatte falsches Licht gegeben, sondern sein Gott hatte jetzt erst das Licht korrigiert, und diese anderen »übelgesinnten« Brüder waren Gott »vorausgeeilt«.

Was war nun das neue Licht über die Generation von Matthäus 24:34?

Der Wachtturm vom 1.11.1995 strahlte es aus. Es seien die bösen und schlechten, gottlosen Menschen unserer Zeit, wobei die Zeit nicht mehr (wie zuvor nach Psalm 90) begrenzt wurde. Der Wachtturm schrieb:

... über jene auf Abwege geratenen Zeitgenossen entladen, die die heutige »böse und ehebrecherische Generation« bilden ... Heute, wo sich die Prophezeiung Jesu endgültig erfüllt, bezieht sich der Begriff »diese Generation« daher offensichtlich auf jene Erdbewohner, die zwar das Zeichen der Gegenwart Christi sehen, aber nicht von ihren verkehrten Wegen umkehren. Im Gegensatz dazu wollen wir uns als Jünger Christi auf keinen Fall vom Lebensstil ... »dieser Generation« formen lassen ... aber wir wissen, dass das Ende »dieser Generation« böser Menschen kommen wird, sobald das Zeugnis zu Gottes Zufriedenheit, bis zum entferntesten Teil der Erde, gegeben ist ...

Damit die neue Deutung sich auch ja einprägen sollte, brachte der Wachtturm vom 15.12.1995 nochmals eine Wiederholung:

Auf wen bezieht sich der Ausdruck »diese Generation« aus Matthäus 24:34-39 in der endgültigen Erfüllung der Prophezeiung Jesu? Jesus nahm offensichtlich auf jene Erdbewohner Bezug, die zwar das Zeichen der Gegenwart Christi sehen, aber nicht von ihren verkehrten Wegen umkehren.

Hier ist kein Missverständnis möglich und auch der Wachtturm vom 15.02.2008 spielt auf Seite 23, Absatz 10 auf diese Deutung an, wenn er von »früher einmal« spricht. Wie damals - gerade erst vor 12 Jahren - erklärt wurde, war das neue Licht »offensichtlich« nach der damals neuen Deutung zu verstehen (erfahrungsgemäß muss man besonders genau hinsehen, wenn die Wachtturm-Gesellschaft mit Ausdrücken wie offensichtlich oder mit ähnlichen operiert, denn wenn etwas wirklich offensichtlich ist, braucht man das nicht erst zu sagen).

Und tatsächlich, heute, gerade 12 Jahre später, kommt eine neue Deutung.

Der Lichtgeber von 1995 hatte (offensichtlich) den falschen Lichtschalter gedrückt. Jetzt erklärt der Wachtturm auf den Seiten 23 bis 25, dass die besprochene Generation anders verstanden werden müsse. Diese jetzt andere Deutung ist nicht offensichtlich, sondern »zweifellos« (was häufig Zweifel verdient).

Worauf gründet sich die - neue - Deutung?

Der Wachtturm erklärt in Absatz 12, sie gründe sich auf eine eingehende Betrachtung des Kontextes! Daher frage ich mich: Sollte nicht jede biblische Deutung erst nach einer eingehenden und gründlichen Betrachtung des Kontextes geschehen? Hat man 1995 und auch vorher Deutungen vorgelegt ohne gründliche Betrachtung des Kontextes und dann von Millionen von Menschen verlangt, diese ohne gründliche Betrachtung veröffentlichten Auslegungen zu glauben und zu vertreten, und dies sogar unter der Drohung disziplinarer Maßnahmen?

Hat man »geschludert«, um es milde auszudrücken - die Auslegungen bei einem Bierabend abgesprochen in fröhlicher Runde? Es möge sich niemand verletzt fühlen; die Schlussfolgerungen aus den Worten des Wachtturm selbst lassen eine außerordentliche Gleichgültigkeit in der Behandlung der Bibel und ihrer Texte erkennen. Nach Absatz 15 des Wachtturm bilden jetzt die von den Zeugen so genannten »Gesalbten« als Klasse diese Generation, die nicht vergehen würde, und man schränkte den Begriff in der Fußnote auf die Gesalbten seit 1914 ein, denn sie vom Jahre 33 an dazu zu zählen, würde doch den Generationsbegriff zu sehr strapazieren.

Aber man hat sich doch das drückende Zeitproblem vom Hals geschafft, denn da gemäß des Wachtturm vom 1.5.2007 der Zugang zu den Gesalbten wieder eröffnet wurde (Leserfrage), wird es wohl immer welche geben, die von den Symbolen Brot und Wein nehmen und sich damit als Gesalbte kundtun.

Damit ist auch das Ende der Generation nach hinten offen.

Diese Tatsache ist wahrhaftig »zweifellos«. Und wenn man genau hinsieht, gibt es wieder keine kontextuelle Grundlage für diese neue Deutung; Jesus hat nicht die Jünger und ihresgleichen gemeint, nur weil er die Zeichen des Endes mit ihnen besprach, so wenig er sie meinte, als er davon sprach, dass jene Menschen sich verhalten würden wie die in den Tagen Noahs. Wahrlich, eine akrobatische, ja artistische Bibelauslegung.

Innerhalb von nur 15 Jahren drei Deutungen

Wenn ich daran denke, wie sehr die alten Brüder und Schwestern auf Grund der Deutung der Generation auf ihr Überleben hofften - viele sind inzwischen verschieden, manche haben aber noch die wahren Urheber solcher Täuschungen erkannt, - dann hat diese Falschdeutung ohne gründliche Prüfung des Kontextes - unendliches Leid, Kummer und Schmerz gebracht und zu vielen Depressionen geführt; aber das kann doch einen Sklaven nicht erschüttern.

Innerhalb von 15 Jahren drei verschiedene Deutungen, aber nicht nur das: Die Deutungen sind so unterschiedlich, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Und alles ist zu glaubende Wahrheit (gewesen). Die Leitende Körperschaft ist mit ihren Lehränderungen wirklich rekordverdächtig. Eine Übersicht über die Deutung von Matthäus 24:34 sähe so aus:

Kann jemand angesichts solcher Fakten noch von einer gewissenhaften, verantwortungsbewussten und seriösen Bibelauslegung sprechen? Kein Wunder, dass die jeweils am 15. eines Monats veröffentlichten Wachttürme nicht mehr für die Öffentlichkeit gedacht sind. Aber den Zeugen kann man alles zumuten! Was vom Sklaven kommt, wird angenommen. Da lassen sie sich drehen wie die Wespe im Netz der kleinen Spinne!


Kommentare

01
Kann mich noch daran erinnern, wie ich mich in den 70ern als Kind fragte - wie wollen die sich da rauswinden, wenn die Zeit vergeht und die Generation von 1914 ausgestorben ist, und das Ende nicht gekommen ist? Wir sehen nun, wie sich sich rausgewunden haben - mit ein paar Zeilen im Wachtturm von 1995.

Welche Auswirkungen hatte diese Änderung einer jahrzehntelang als Wahrheit gehandelten Lehrmeinung? Keine!

Das zeigt uns - die Leute sind nicht an Wahrheit interessiert, das Fußvolk folgt blind einer Organisation, die sie über Jahrzehnte so mit manipulativen Suggestionen zugemüllt hat, dass sie es nicht erkennen können, was vor sich geht. Und die Organisation wird ihre Lehren und Wahrheiten stets so formen, wie es ihren Interessen entgegenkommt. So ist man ja derzeit erpicht auf die Anerkennung als K.d.ö.R - vor wenigen Jahren noch hat man dies strikt abgelehnt, aus Gewissens- und Glaubensgründen, so zumindest steht es in einem Gerichtsprotokoll.

Armselig - doch hey, SO funktioniert Religion! Also nichts neues ...

sepp [28.09.2011]
02
Hallo liebe(r) Unbekannte(r):

Deinen Beitrag habe ich mit großem Vergnügen und innerer Genugtuung gelesen. Vor allem Deine pointierten Formulierungen und logischen Fragestellungen überzeugen.

Zitat: "Daher frage ich mich: Sollte nicht jede biblische Deutung erst nach einer eingehenden und gründlichen Betrachtung des Kontextes geschehen? Hat man 1995 und auch vorher Deutungen vorgelegt ohne gründliche Betrachtung des Kontextes und dann von Millionen von Menschen verlangt, diese ohne gründliche Betrachtung veröffentlichten Auslegungen zu glauben und zu vertreten, und dies sogar unter der Drohung disziplinarer Maßnahmen?Hat man »geschludert«, um es milde auszudrücken - die Auslegungen bei einem Bierabend abgesprochen in fröhlicher Runde?"

Bei dem Letzteren habe ich allerdings Zweifel. Von Bier und Fröhlichkeit ist in den oberen Etagen des WT-Konzerns wohl kaum etwas zu bemerken - und wenn, dann zumindest nicht offiziell. Frei nach Martin Luther: "Aus einem verzagten Ar... kommt kein fröhlicher Furz!"

Und überhaupt scheint sich die Führung zunehmend damit schwer zu tun, Erklärungen für die Widersprüche und Ungereimtheiten und oft genug auch klaren Lügen in ihren Verlautbarungen zu finden, die doch manchmal sogar ganz offensichtlich sind.

Aber, in diesem Punkt muss ich Sepp zustimmen: "... das zeigt uns - die Leute sind nicht an Wahrheit interessiert ..." Nein, sie sind es nicht. Schon deswegen nicht, weil sie glauben, die Wahrheit bereits zu besitzen. Und diese lässt sich nicht infrage stellen. Weil es die Wahrheit ist, ja, vielmehr sein muss, weil sich ansonsten ein, mit hohem Aufwand gepflegtes und für teures Geld erworbenes Bild als Fälschung herausstellen und damit den persönlichen Supergau einleiten könnte.

Und wer möchte das schon?

Mit lieben Grüßen an alle

Will Cook [07.10.2011]


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© R. Hentschel ♦ Erstellungsdatum: 08.01.2008 ♦ DruckversionLinks auf andere Internetseiten
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