Das Karussell der »Generation«

von "Unbekannt"

Als vor einigen Jahren die katholische Kirche in ihrem Heiligenkalender einige Heilige abschaffte, weil deren reale Existenz zweifelhaft war, bedauerte die Wachtturm-Gesellschaft die armen Katholiken, die in ihrem Glauben verunsichert würden, weil sie ja nicht mehr sicher wüssten, was sie noch glauben sollten. So etwas kann natürlich bei Jehovas Zeugen nicht vorkommen; dort gibt es keine Irrtümer oder Fehler, die korrigiert werden (müssen und müssten), sondern Änderungen werden stets als neues Licht gepriesen; die Leitung trifft auch keine Schuld, denn schließlich hatte sie das alte Licht ja von Gott, der die Wahrheit »nach und nach« offenbart.

Dazu eine Bemerkung: Es stimmt, dass Gott manche seiner Vorsätze nach und nach offenbart. So hat er den Messias erst als Weibessame angekündigt, dann als Abrahams Same, als Schilo aus dem Stamm Juda, als Sohn Davids usw. Oder er hat zuerst gesagt, dass in Abraham alle Nationen und Geschlechter der Erde gesegnet würden; dann erwählte er das Volk Israel, aber schon die Propheten kündigten an, dass auch Menschen aus anderen Nationen einmal zu Gott würden gelangen können.

Dieses Geheimnis Gottes wurde dann nach Jesu Verherrlichung geoffenbart, beginnend mit Kornelius. Aber wann immer Gott neues Licht in einer Frage gab, wurde das alte nicht falsch; was er vorher gesagt hat, war immer noch und blieb richtig; das neue verdeutlichte nur. So wie wenn der Morgen graut und man sieht den Schatten eines Kruges, nach und nach die Umrisse, dann die Form, dann die Farben, dann Gravuren usw. Aber das Frühere bleibt richtig.

Wenn dagegen der Sklave neues Licht verkündet, ist in aller Regel das alte Licht irrig gewesen, falsch. Beispiele dazu wird jeder Zeuge benennen können.

Aber Gott gab und gibt kein falsches Licht! Nie! Falsches Licht ist niemals vom Geist Gottes, und wenn sich dann jemand als eine »vom Geist geleitete Organisation« bezeichnet, dann sollte er prüfen, von welchem Geist er geleitet wird. Und wenn man solche Irrtümer und Fehler erkennt, sollte man sie nicht mit Unvollkommenheit und Fehlbarkeit entschuldigen, so lange man sich Tag für Tag wie Vollkommene und Unfehlbare behandeln lässt, ja Kritiker diszipliniert bis hin zum Gemeinschaftsentzug mit all seinen traurigen Folgen.

Zurück zur Generation nach Matthäus 24:34, die Generation, die nicht vergehen soll, bis all diese Dinge geschehen werden, die Generation von 1914, wie Jehovas Zeugen lange Jahrzehnte verkündet haben, eine Lehre, die Glaubenspflicht war (es sind noch im Jahr 1990 Älteste, denen Zweifel in dieser Frage kamen, ihrer Ämter entbunden worden).

Manche Zeugen nannten die Generation von 1914 - hinter vorgehaltener Hand - die Gummigeneration.

In jeder Ausgabe der Zeitschrift Erwachet stand im Vorspann der Satz, dass Gott versprochen habe, alle angekündigten Ereignisse einschließlich von Harmagedon zu Lebzeiten der Generation von 1914 herbeizuführen. Dabei wurde zuerst von den Menschen gesprochen, die sich noch mit Verständnis an die Ereignisse von 1914 erinnern konnten.

Als dann die Jahre ins Land gingen und die Zeit knapp wurde - denn eine Generation wurde gemäß Psalm 90:10 auf eine Dauer von höchstens 70 - 80 Jahren kalkuliert -, meinte man, die Generation umfasse die Menschen, die sich noch an die Zeit von 1914 erinnern können, wenn auch nicht mit Verständnis.

Aber wiederum wurde die Zeit knapp, und man entschloss sich, in der Generation auch die Menschen zu erblicken, die 1914 geboren wurden und die als Generation noch existieren würden, wenn alles geschehen wäre. Doch 1994/95 war auch damit kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Man saß in der Klemme, und man hatte ja gerade erst die Pleite von 1975 hinter sich gebracht.

Man musste etwas tun.


Kommentare

01
Und was hat man getan?

Man hat das Rechenspiel mit den biblischen Zeitangaben einfach neu "kalkuliert" und fertig!

Ich kann mal den Bogen schlagen und kurz erklären, wie und warum die WTG die Zeitrechnung ab 1914 so oft versemmlt hat.

Sicher ist nach dieser Rechnung anhand der "bestimmten Zeiten der Nationen" (Daniel 4, "umgerechnet" mit 4. Mo. 14:34 & Hes. 4:6) das Jahr 607 v. u. Z. sowie 1914. Diese auch "sieben Zeiten" genannte Periode ist genau 2520 Jahre lang. Wenn man das nachrechnet, kommt man aber auf das Jahr 606 v. u. Z. mag man einwenden, doch das hat mit einem "Fehler" im gregorianischen Kalender zu tun, den wir heute nutzen, der im Jahr 1 begann und nicht im Jahr 0. Also sind wir eigentlich heute erst im Jahr 2007, der Kalender sagt aber 2008. Und so kommt man, wenn man diese Unstimmigkeit berücksichtigt, auf genau 607 v. u. Z., was auch wissenschaftlich belegt wurde. Die "sieben Zeiten" begannen mit der Zerstörung Jerusalems 607 v. u. Z.. 1914 wurde Jesus im Himmel inthronisiert und errichtete dort das "neue Jerusalem", reinigte den Himmel von Satan und seinen Dämonen und verbannte sie in Richtung Erde - was auf der Erde den Beginn des 1. Weltkriegs mit sich brachte (so die ZJ).

Aber bei der ganzen Rechnerei gibt es einen riesigen Unbekannten, der aber extrem wichtig ist, um den "Tag des Gerichts" errechnen zu können: nämlich die Zeitspanne, wie lange Adam allein ohne Eva auf der Erde gelebt hat. Das ist nämlich jetzt die Zeitspanne, in der wir leben, nach der Bibelrechnung, um 6.000 Jahre Menschheit fest zu machen - und damit das Ende des Systems der Dinge. Leider gibt es da nirgends einen schlüssigen Hinweis und so kann man - wie die WTG es bis 1975 getan hat - nur raten und fiktive Termine propagieren. Und so kommt es zu dem Generationen-Problem.

Laut WTG steht fest, dass Jesus im Himmel bereits regiert, und so wartet man in der WTG-Lehre ungeduldig auf die in der Offenbarung beschriebenen Erfüllung der Prophezeiung vom "Tag des Gerichts"! Als sichtbares Zeichen, dass man kurz davor steht, werden sehr gerne Jesu Worte aus Matthäus 24 gebraucht, wo die "Zeichen des Abschlusses des Systems der Dinge" von ihm beschrieben werden und was die Zeichen seiner Gegenwart (im Himmel) sein werden.

Mitte/Ende der 90er hat man dann Abstand davon genommen zu sagen, dass die Generation, die 1914 erlebt hat, auch das Ende sehen wird. Erst wurde 1914 auch als "Geburtsjahr" für die Generation zugelassen und 2000 hat man schließlich ganz Abstand davon genommen und gesagt, dass wahrscheinlich der Überrest bereits im Himmel sein wird, wenn Harmagedon kommen wird (die 144.000 werden mit Jesus als Richter fungieren und da wäre es ja auch gut, wenn alle da sind ...!). Und so wird mit jedem Jahr, das ohne ein "Ende" dahingeht, die Kreativität der WTG im Verdrehen und im bewussten Falschauslegen der Bibel aufs neue gefordert.

Allerdings suche ich bis heute eine Bibelstelle, wo Jesus gesagt hat, wir oder der "Sklave" sollten uns hinsetzen und aus Gottes Wort errechnen, wann das jüngste Gericht kommt! Jesus sagte, dass dieser Tag kommt wie ein Dieb in der Nacht - und nicht wie die Schwiegermutter sonntags um 3 zum Kaffee. Also, was soll dieses Endzeitgerechne? Man braucht es, um einen weiteren "Angstmacher" gegenüber den ZJ zu haben, damit die ja weiter stur und ohne zu fragen der WTG folgen ...

Der Bekehrte aus Bayern [08.01.2007]
02
Nur der Herr kennt Zeit und Ort. Die ZJ sind die falschen Propheten, vor denen sie selber ausdrücklich warnen!

Andy [24.01.2010]

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Erstellungsdatum: 08.01.2008 ♦ DruckversionLinks auf andere Internetseiten