Demut
1. Wenn der Geist Christi nicht in uns wohnt, können wir nicht demütig und sanftmütig sein wie er, der - obgleich Gott - die Gestalt eines Knechtes annahm (Phil. 2, 6-7). Wir dürfen dem falschen Stolz in unserem Herzen keinen Raum geben, indem wir vergessen, was wir wirklich sind. Durch Stolz fallen wir von der Wahrheit ab und zerstören uns selber. Auch wenn wir größere Fortschritte als andere Menschen gemacht haben, dürfen wir nicht vergessen: Diamant und Kohle sind aus dem selben Stoff gemacht, nämlich aus Kohlenstoff. Verschiedene Umstände haben bewirkt, dass sie so verschiedene Gestalt angenommen haben. Aber obgleich ein Diamant so wertvoll ist, kann er ebenso vollständig verbrannt werden wie Kohle.
2. Wenn wir am Rande eines Abgrundes stehen und hinunterblicken, empfinden wir Schwindelgefühl und Furcht, auch wenn der Abgrund nur ein paar hundert Fuß tief sein mag. Aber wir fürchten uns niemals, wenn wir zum Himmel hinaufblicken, obgleich unsere Augen dort über viel größere Höhen streichen. Warum? Weil wir nicht nach oben fallen können. Andererseits besteht die Gefahr, dass wir hinabstürzen und in Stücke zerschmettern. Wenn wir zu Gott emporblicken, so fühlen wir, dass wir in ihm geborgen sind und keinerlei Gefahr unser wartet. Aber sobald wir unser Angesicht von ihm abwenden, sind wir von Furcht erfüllt, wir könnten von der Wirklichkeit abstürzen und in Stücke zerschmettern.
Quelle:Sadhu Sundar Singh, Gesammelte Schriften
Übersetzt und erläutert von Friso Melzer, 3. Auflage
Evang. Missionsverlag G.m.b.H., Stuttgart
Balser Missionsbuchhandlung G.m.b.H. Basel
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