Offenbarung Christi
1. Wenn wir den Heiligen Geist nicht empfangen, können wir die Größe und Gottheit Christi nicht verstehen, auch wenn wir ihm unser ganzes Leben hindurch nachfolgen. Das zeigen deutlich die Erfahrungen der Jünger. Christus berief sie aus einem niederen zu einem höheren und edleren Werk: Aus Fischermenschen machte er sie zu Menschenfischern. Drei Jahre lang lebten sie mit ihm. Während jener Jahre taten sie edlen Dienst: Sie verkündigten den Menschen die frohe Botschaft des Heils. Aber als Christus gekreuzigt und begraben ward, versanken alle ihre Hoffnungen mit in seinem Grab. Die Jünger kehrten zurück und nahmen die selbe alte Arbeit auf, die sie früher zu ihrem Lebensunterhalt getan hatten. Doch Christus, den sie für tot hielten, erstand wieder von den Toten und erschien ihnen bei verschiedenen Gelegenheiten. Als er einmal seinen Jüngern am See Genezareth erschien, erkannte Petrus ihn als den Herrn und schämte sich so sehr, dass er ins Wasser sprang, um sich zu verbergen. Er tat das wohl aus zwei Gründen: Der eine Grund war, er sah Christus zum ersten Mal seit seiner Verleumdung und schämte sich, denn er dachte: "Ich erklärte feierlich, ich würde selbst mein Leben für Christus geben und ihn auf keinen Fall verleugnen. Aber ich tat es dennoch. Wie kann ich nun vor ihm bestehen?" Der andere Grund war sehr wahrscheinlich dieser: Er schämte sich, wenn er daran dachte: Vor drei Jahren waren er und die anderen Jünger an genau der selben Stelle zu dem großen Werk berufen worden, Menschen zu Christus zu führen, und nach drei Jahren hatten sie das edlere Werk aufgegeben, waren zu dem alten zurückgekehrt und gingen ihm an der selben Stelle nach, während sie doch das große Werk hätten fortsetzen sollen, zu dem Christus sie berufen hatte. Als Christus von den Toten auferstand, kehrten auch ihre toten Hoffnungen wieder ins Leben zurück; und als sie weiterhin die Fülle des Heiligen Geistes empfingen, wurden sie aufs neue der Gottheit Christi gewiss, so dass sie, obwohl sie verfolgt wurden und als Blutzeugen leiden mussten, bis zum Ende ihres Lebens ihn verkündigten und das Werk fortführten, zu dem sie berufen worden waren.
2. In der gegenwärtigen Zeit gibt es viele Christen, die Christus nachgefolgt sind, ohne dass sie seine Größe und Gottheit in ihrem eigenen inneren Leben erfahren haben. So sind sie in die Irre gegangen. Sie denken, Christus sei ein großer und vollkommener Mensch gewesen, der vor Jahrhunderten lebte und starb. Aber denen, die sich zu ihm wenden und beten, offenbart er sich aufs neue in seiner Herrlichkeit und Kraft wie dem Paulus. Und sie erneuern ihre Gemeinschaft mit ihm und dienen ihm durch die Kraft des Heiligen Geistes getreu bis ans Ende ihres Lebens.
Quelle:Sadhu Sundar Singh, Gesammelte Schriften
Übersetzt und erläutert von Friso Melzer, 3. Auflage
Evang. Missionsverlag G.m.b.H., Stuttgart
Balser Missionsbuchhandlung G.m.b.H. Basel
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