Inhalt Links Kontakt Impressum Feedback Download Chat Forum

Offenbarung der Gegenwart Gottes - II

Der Jünger:

Meister, wenn du dich der Welt auf besondere Weise offenbartest, dann zweifelten die Menschen nicht länger an Gott und an deiner eigenen Göttlichkeit, sondern alle glaubten und beträten den Weg der Gerechtigkeit.

Der Meister:

1. Mein Sohn, ich kenne wohl den inneren Zustand eines jeden Menschen, und ich offenbare mich einem jeden Herzen nach seinen Nöten. Es gibt kein besseres Mittel, den Menschen auf den Weg der Gerechtigkeit zu bringen, als dass ich mich selbst offenbare. So wurde ich um des Menschen willen Mensch, damit er erkennen möchte: Gott ist nicht ein Furchtbarer und Fremder, sondern voller Liebe und ihm (dem Menschen) ähnlich, denn er (der Mensch) ist ihm (Gott) ähnlich und nach seinem Bild geschaffen.

Der Mensch hat zwar das natürliche Verlangen, dass er den sehen möchte, an den er glaubt und den er liebt. Aber kein Mensch kann den Vater sehen, denn er ist seinem Wesen nach unbegreifbar; wer ihn begreifen wollte, müsste das selbe Wesen haben. Aber der Mensch ist ein begreifbares Geschöpf, und deshalb kann er Gott nicht sehen. Nun aber ist Gott die Liebe und hat dem Menschen die selbe Liebeskraft gegeben. Deshalb hat er, damit jenes Verlangen nach Liebe gestillt werde, eine Seinsweise angenommen, die der Mensch verstehen konnte. So wurde er Mensch, und seine Kinder mit allen heiligen Engeln können ihn nun sehen und sich seiner freuen (Kol. 1, 15; 2, 9). Deshalb sagte ich, dass, wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen (Joh. 14, 9-10). Und obgleich ich in Menschengestalt der Sohn heiße, bin ich doch der ewige Vater (Jes. 9, 6).

2. Ich und der Vater und der Heilige Geist sind eins. Wie in der Sonne beides ist - Hitze und Licht, aber das Licht ist nicht die Hitze, und die Hitze ist nicht das Licht, und dennoch sind beide eins, obgleich sie sich in verschiedener Gestalt kundtun: so gehen ich und der Heilige Geist vom Vater aus und bringen der Welt Licht und Wärme. Der Geist tauft mit Feuer, verbrennt in den Herzen der Gläubigen jegliche Sünde und Ungerechtigkeit und macht sie rein und heilig. Ich bin das wahre Licht (Joh. 1, 9; 8, 12) und vertreibe alle finsteren und bösen Süchte. Ich führe die Gläubigen auf den rechten Weg und bringe sie schließlich in ihre ewige Heimat. Dennoch sind wir nicht drei sondern eins, wie ja auch die Sonne nur eins ist.

3. Was Gott dem Menschen an Worten, Kräften und Fähigkeiten verliehen hat, das soll er auch nutzen, sonst verkümmert es allmählich und stirbt schließlich ab. Ebenso geht es mit dem Glauben: wenn er sich nicht auf den lebendigen Gott richtet, dann wird er durch die Sünde erschüttert und in Zweifel verwandelt. Man kann oftmals hören: "Ich glaubte gern, wenn sich mir nur dieser oder jener Zweifel löste." Wer so spricht, der gleicht dem Mann, der mit einem Knochenbruch zum Arzt kam und ihn bat, er möchte ihn zuerst von den Schmerzen befreien und dann erst den gebrochenen Knochen behandeln. Das ist natürlich Torheit, denn der Schmerz kommt vom Bruch, und wenn dieser geheilt ist, dann geht der Schmerz von selber wieder fort. So ist durch die Tat der Sünde des Menschen Verbindung mit Gott zerbrochen, und Zweifel, diese Schmerzen des Geistes, sind entstanden. Was deshalb zuerst not tut, ist, dass die Gemeinschaft mit Gott wieder erneuert werde; dann werden alle jene Zweifel, nämlich ob ich göttlich sei, und ob Gott überhaupt da sei, von selbst wieder verschwinden; dann weichen die Schmerzen dem wundervollen Frieden, den die Welt weder geben noch nehmen kann. Dazu wurde ich Fleisch, dass zwischen Gott und den armen zerbrochenen Menschen wieder Gemeinschaft würde, und dass sie auf ewig im Himmel mit ihm möchten selig sein.

4. Gott ist Liebe und hat die Kraft zu lieben in jedes lebendige Geschöpf hineingelegt, vor allem aber in den Menschen. Es ist deshalb nur recht und billig, dass der große Liebende, der uns Leben, Vernunft und Liebe gegeben hat, wiederum von uns Liebe empfange. Sein Herz umfängt alle, die er geschaffen hat. Wenn wir diese Liebe nicht richtig gebrauchen, und wenn wir ihn, der uns mit Liebe ausgestattet hat, nicht von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Gemüt und aller Kraft lieben, dann stürzt die Liebe aus ihrer Höhe herab und wird zur Selbsucht. Und daraus erwächst für uns wie für die anderen Geschöpfe Gottes nichts als Unheil. Jeder selbsüchtige Mensch wird - seltsam genug - zum Selbstmörder.

Ferner habe ich gesagt: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Obgleich nun jeder Mensch in gewissem Sinne eines Andern Nächster ist, so wendet sich dieses Wort vor allem an die Menschen, die für gewöhnlich nahe beieinander wohnen. Es ist leicht, mit jemandem im Frieden auszukommen, der nur für ein paar Tage bei uns weilt, selbst wenn er ein unfreundlicher Mensch ist; aber es ist sehr schwer, einen Menschen zu ertragen und wie dich selbst zu lieben, der in deiner Nähe wohnt und dir Tag für Tag Mühe macht. Doch wenn du in diesem schweren Kampf gesiegt hast, dann wird es dir leichter werden, auch alle anderen zu lieben wie dich selbst.

Wenn ein Mensch Gott liebt von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und ganzer Seele und seinen Nächsten wie sich selbst, dann hat er keinen Raum mehr für Zweifel; vielmehr wird in ihm jene Königsherrschaft Gottes aufgerichtet, die kein Ende hat. Und er selber wird im Feuer der Liebe geschmolzen und umgegossen und in das Bild seines himmlischen Vaters umgestaltet, der ihn ursprünglich nach seinem eigenen Bilde geschaffen hatte.

5. Ich offenbare mich auch allen, die mich mit aufrichtigem Herzen suchen, durch mein Wort (die Bibel). Wie ich zur Erlösung der Menschen selber Mensch wurde, so ist auch mein Wort, das da Geist und Leben ist (Joh. 6, 63), in menschlicher Sprache geschrieben: In ihm ist Göttliches und Menschliches miteinander vereinigt. Aber genau so wie die Menschen mich nicht verstehen, so verstehen sie auch nicht mein Wort. Wer es verstehen will, der braucht nicht Hebräisch und Griechisch zu können; aber was er wirklich haben muss, das ist die Gemeinschaft des selben Heiligen Geistes, aus dem die Propheten und Apostel lebten und schrieben. Zweifellos ist die Sprache dieses Wortes geistlich, und nur wer aus dem Geist geboren ist, kann sie ganz verstehen, mag er mit dem kritischen Denken der Welt vertraut sein oder nur einem Kinde gleichen: Er versteht jene Geistessprache gar gut, denn sie ist seine Muttersprache. Aber denke daran, dass die Menschen, deren Weisheit nur von dieser Welt ist, es nicht verstehen können, denn sie haben keinen Anteil am Heiligen Geist.

6. Ich offenbare mich nach meinem Wohlgefallen auch im Buch der Natur, denn dieses Buch habe ich gleichfalls geschrieben. Doch auch wer dieses Buch lesen will, braucht Geistes-Augen, damit er mich finden kann; sonst droht ihm die Gefahr, dass er, anstatt mich zu finden, in die Irre geht.

Ein Blinder gebraucht die Spitzen seiner Finger als Augen und liest ein Buch nur durch Tasten; aber nur durch Tasten allein kann er sich über seine Wahrheit kein wirkliches Urteil bilden. Das haben auch die Forschungen der Zweifler bewiesen, denn anstatt der Vollkommenheit sehen sie nur Mängel. Diese Kritiker sagen: "Wenn ein allmächtiger Schöpfer diese Welt geschaffen hat, warum gibt es in ihr solche Mängel wie Orkane, Erdbeben, Finsternisse, Schmerz, Leiden und Tod?" Diese Kritik ist töricht und ähnelt der eines unwissenden Menschen, der ein unvollendetes Gebäude oder Gemälde tadelt. Wenn er sie später vollendet sieht, so schämt er sich seiner Torheit und muss am Ende ihr Lob singen. So hat auch Gott nicht an einem einzigen Tag dieser Welt ihre gegenwärtige Gestalt gegeben, noch wird sie an einem einzigen Tag vollendet werden. Die ganze Schöpfung bewegt sich der Vollendung entgegen. Und wenn der Mensch dieser Welt die vollkommene Welt, die keine Fehler mehr hat, mit den Augen Gottes von ferne sehen könnte, dann würde er sich vor ihm lobpreisend beugen und sprechen: "Es ist alles sehr gut" (1. Mose 1, 31).

7. Der menschliche Geist weilt im Leibe ähnlich wie das kleine Vöglein in der Schale. Wenn dem Vöglein in der Schale gesagt werden könnte, da draußen gäbe es eine weite Welt mit allerlei Früchten und Blumen, mit Flüssen und großartigen Gebirgen, auch sei dort seine Mutter, und es würde das alles selber sehen, wenn es nur erst von seiner Schale befreit worden wäre: so könnte es das alles weder verstehen noch glauben. Selbst wenn jemand ihm sagte, es könne mit seinem Gefieder und seinen Augen, die nun schon fertig seien zum Gebrauch, fliegen und sehen: So glaubte es das doch nicht, noch gäbe es irgendeinen Beweis, bis es selber der Schale entschlüpft.

Gleicherweise gibt es viele Menschen, die haben über das zukünftige Leben und das Dasein Gottes keine Gewissheit, denn sie können nicht durch die Schale ihres Leibes hindurchblicken. Ihre Gedanken, dem zarten Gefieder des jungen Vögleins gleich, können sie nicht über die engen Grenzen ihres Gehirns hinaustragen. Ihre schwachen Augen können jene ewigen und unvergänglichen Schätze nicht entdecken, die Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (Jes. 64, 4; 65, 17). Wenn wir das ewige Leben erreichen wollen, so müssen wir eine notwendige Bedingung erfüllen: Wie das kleine Vöglein im Ei von seiner Mutter die lebenspendende Lebenswärme empfängt, so sollen wir, während wir noch im Leibe leben, durch den Glauben vom Heiligen Geist die Lebenswärme empfangen, ohne die wir dem Tode verfallen und ewig verloren gehen.

8. Wiederum sagen viele, das Ding oder Leben, das einen Anfang hat, muss notwendigerweise auch ein Ende haben. Das ist aber nicht wahr. Denn kann der Allmächtige, der nach seinem Willen etwas aus Nichts zu schaffen vermag, nicht durch das Wort seiner Macht dem, was er geschaffen hat, Unsterblichkeit verleihen? Wenn nicht, dann kann er nicht der Allmächtige heißen. Das Leben in dieser Welt erscheint dem Zerfall und der Zerstörung hingegeben, denn es ist dem unterworfen, das sich selber ändert und vergeht. Wenn aber das Leben von diesen Einflüssen des Wechsels und Zerfalls befreit und dem ewigen und unwandelbaren Gott unterstellt würde, der die Quelle des ewigen Lebens ist, dann entrönne es dem Griff des Todes und erlangte die Ewigkeit.

Die an Mich glauben, denen gebe Ich "das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen" (Joh. 10, 28). Ich bin Gott der Herr, "der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige" (Offbg. 1, 8).
Quelle:
Sadhu Sundar Singh, Gesammelte Schriften
Übersetzt und erläutert von Friso Melzer, 3. Auflage
Evang. Missionsverlag G.m.b.H., Stuttgart
Balser Missionsbuchhandlung G.m.b.H. Basel

Kommentare



Seitenanfang
Kommentar schreiben:
Name:   E-Mail:
Ihr Kommentar erscheint auf dieser Seite spätestens nach 24 Stunden.
Warum werden nicht alle Kommentare veröffentlicht?
Erstellungsdatum: 15.09.2007 ♦ DruckversionLinks auf andere Internetseiten
Besucher gesamt: 63.982 | Besucher heute: 149 | Besucher gestern: 515 | Besucher pro Tag: 341,42 | Max. Besucher pro Tag: 534 | Datum max. Besucher pro Tag: 06.09.2010 | gerade online: 5 | max. online: 23 | Datum max. online: 05.06.2010, 09:28:43 | Seitenaufrufe gesamt: 213.890 | Seitenaufrufe heute: 701 | Seitenaufrufe gestern: 1.999 | Seitenaufrufe pro Tag: 1.141,35 | Max. Seitenaufrufe pro Tag: 5.965 | Datum max. Seitenaufrufe pro Tag: 13.06.2010 | Seitenaufrufe diese Seite: 85 | Eigene Seitenaufrufe: 14 | Seitenaufrufe pro Besucher: 3,34 | JavaScript aktiviert: 70.13% | Counterstart: 06.03.2010 | Statistiken | Freeware! Und doch der beste Counter!
site:antichrist-wachtturm.de