Werke des Glaubens

von E.F.

Wenn man versucht, Jehovas Zeugen - aber auch vielen anderen Christen - die Botschaft des Evangeliums, nämlich die Rechtfertigung vor Gott aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus, so wie Paulus sie im Brief an die Römer, Kapitel 3, in aller Ausführlichkeit darlegt, zu erklären, kommt in der Regel wie aus der Pistole geschossen die Erwiderung: "Glaube ohne Werke ist tot" (Jakobus 2:17+26); oder man zitiert Jakobus 2:24: "Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein". Das hat dazu geführt, dass schon in der Vergangenheit Kontroversen unter Kommentatoren ausbrachen über die Bedeutung und Gewichtung beider Aussagen.

Paulus

Widersprechen sich demnach Paulus und Jakobus? Hier nochmals kurz gedrängt des Paulus Botschaft: Paulus machte deutlich, dass aus Werken kein Mensch vor Gott gerecht werden kann. Der Mensch wird gerechtgesprochen und gerettet aus Glaube an Christus und sein Opfer, aus Glaube allein (Römer 3:28: Epheser 2:8-9). Wer immer glaubt oder lehrt, dass man diesem Glauben zur Rechtfertigung vor Gott noch etwas hinzufügen müsste, Werke, Eigenleistung usw., vermindert den Wert des Opfers Jesu (Römer 11:6; Galater 4:4; 2.Korinther 5:21; Titus 3:5). Das Blut Jesu ist nicht ein Blut wie jedes andere in seinem Wert (Hebräer 10:29).

Paulus sieht nämlich die Gefahr, dass sich Menschen vor Gott ihrer Werke rühmen wollen; sie glauben, weil sie ein anständiges Leben führen, Anspruch auf Rettung zu haben. Wie oft hört man: "Ich brauche Gottes Gericht nicht zu scheuen; ich habe immer anständig gelebt und gute Werke getan; wenn Gott gerecht ist, wird er mich retten" und "ich tue Recht und scheue niemand". So oder ähnlich denken und reden viele Menschen; das geht dann manchmal so weit, dass man ihnen sogar sagt, was sie tun müssen, um gerettet zu werden, wie zum Beispiel Predigen oder einer bestimmten Gemeinschaft angehören und deren Weisungen befolgen.

Aber Paulus weiß, dass wir die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nur im Vertrauen auf die Gerechtigkeit Jesu Christi erlangen können (das griechische Wort für "Glaube" - pistis - bedeutet vor allem "Vertrauen", hat also seinen inhaltlichen Schwerpunkt im gläubigen Vertrauen in Gott und in seinen Sohn). Sein Verdienst ist für jeden völlig ausreichend und steht durch den Glauben an ihn zur Verfügung. Deshalb betont er den Glauben ohne Werke; das hat auch Jesus wiederholt getan, indem er die Verheißung des Lebens denen gab, die an ihn glauben (zum Beispiel Johannes 3:36). Und im Gleichnis vom Weinstock (Johannes 15:4-8) zeigt Jesus, dass jene, die an ihn glauben, in ihm, dem Weinstock sind und bleiben.

Paulus widerspricht also entschieden der Auffassung, dass man durch die Befolgung einer Menge von Regeln oder Ritualen, durch die Einhaltung von Vorschriften, Traditionen und Bräuchen, gerettet werden könne. Vielmehr stellt er heraus, dass der Herzensglaube eines Menschen an Jesus Christus völlig ausreicht, vor Gott als gerecht zu gelten.

Jakobus

Jakobus warnt dagegen vor einer anderen Gefahr. Es könnte sein - und die Tatsachen bestätigen diesen Einwand -, dass Menschen sagen: "Ich glaube an Jesus; und da ja Glaube genügt, kann ich weiterleben wie bisher!" Schon Petrus warnte davor (1. Petrus 2:16). Darum erklärt Jakobus und untermauert seine Aussage auch durch biblische Beispiele, dass ein Glaube (der auch bei ihm übrigens an erster Stelle steht und Voraussetzung ist), der einen Menschen in seinem Wesen und Handeln, in der Lebenseinstellung, Lebenshaltung und Lebensführung nicht verändert in christlicher Richtung, überhaupt kein Glaube oder zumindest toter Glaube ist. Ein solcher "Glaube" ist kein rechtfertigender Glaube. Schon Paulus hatte eine solche Reaktion für unmöglich erklärt (Römer 6:1-2). Und auch Paulus zeigt in seinen Briefen - als Beispiel sei hier Römer 12: 1-2 + 9-21 und Epheser 2:8-10 genannt -, dass der Glaube, durch den allein wir gerechtfertigt werden, in unserem Leben Taten hervorbringen muss, nicht Taten zur Rechtfertigung, aber Taten aus der Rechtfertigung, als Ergebnis unserer Rechtfertigung, als deren Frucht, aus Dankbarkeit, Liebe und Lobpreis.

Jakobus will also sagen, dass zwar der Glaube die einzige Bedingung für unsere Rechtfertigung in Christus ist, wenn er aber keine praktischen Auswirkungen hat, wenn man an deinem Leben nicht erkennen kann, dass du ein Christ bist und auf einem christlichen Lebensweg gehst, dann zeigt das, dass dieser dein Glaube nur Lippenbekenntnis und nicht rechtfertigender Glaube ist. Oder, wie jemand sagte: "Wir sind gerechtfertigt durch den Glauben allein, aber nicht durch Glauben, der allein bleibt". Er will also sagen, dass lebendiger Glaube das natürliche Bedürfnis hat, Frucht zur Ehre Gottes zu bringen. Dazu gehört ein christlicher Lebenswandel im Sinne von Römer 12:1-2, es gehört dazu, die neue, christliche Persönlichkeit anzuziehen, unseren Sinn zu erneuern. Die Bibel nennt das den "Weg der Heiligung", den Weg der Nachfolge in Jesus.

Jesus selbst sagte in dem erwähnten Gleichnis vom Weinstock, dass jene, die mit ihm verbunden sind - aus Gnade durch Glauben - dann Frucht hervorbringen würden; er sprach davon, dass man seine Nachfolger an ihren Früchten erkennen würde und dass sein Vater durch diese "Früchte" verherrlicht würde.

Paulus und Jakobus widersprechen einander also nicht; beide sind von der biblischen Botschaft der Glaubensgerechtigkeit überzeugt. Doch die damit verbundenen Werke erweisen die Glaubensgerechtigkeit, lassen sie erkennen. Auch Paulus spricht von den verschiedenen Facetten der Frucht des Geistes (Galater 5:22). Ein Glaube ohne Früchte ist ein toter Glaube. Da hat auch ein Paulus keine andere Auffassung als Jakobus. Darum prüfe doch einmal deine Einstellung; entspricht sie etwa der Einstellung, die Paulus so ausdrückte: "Denn die Liebe Christi drängt uns ... und für alle ist er gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist". (2. Korinther 5:14-15)

Wir können daher sowohl Paulus wie auch Jakobus zustimmen: Wir sind gerechtfertigt aus Glauben, aus Glauben allein, aber wir bringen auch des lebendigen Glaubens christliche Frucht. Und wir brauchen nicht ängstlich besorgt zu sein, ob wir etwa auch genug Frucht bringen. Jesus zeigte in seinem Gleichnis, dass eine Rebe, die Frucht bringt, vom Weingärtner betreut wird; du bist gerechtfertigt und gerettet aus Glauben; die Frucht bestätigt deinen Glauben.

Und noch etwas

Es gibt nicht wenige Menschen, die Eifer für Gott haben, die sich auch für Christen halten, und von denen Jesus doch ankündigte, er werde ihnen sagen (müssen), er habe sie nie gekannt (Matthäus 7:22-23). Es kann also sein, dass Menschen nicht einen rechtfertigenden Glauben an Jesus haben, sondern einen Glauben, der sich auf Vorschriften und Satzungen stützt, der zwar die "Stützen" von Werken aufweist, vielleicht sogar Opfer an Zeit und Einsatz nach den Anweisungen bestimmter Gemeinschaften vorweisen kann, aber nicht aus dem innersten Herzen eines neuen Menschen kommt, eines Menschen, der Vater und Sohn liebt und nach ihrem Wohlgefallen strebt. Äußerlicher Druck und Drill hindern echten Glauben, die Liebe Christi aber treibt ihn an.

Darum lasst uns fröhlich sein über die uns aus Glauben von Gott geschenkte Rechtfertigung, und mögen wir alles daransetzen, dass - wie die Mehrzahl der Knechte des Herrn in seinen Gleichnissen von den Pfunden und Talenten (Matthäus 25 und Lukas 19) - wir Frucht bringen in unserem Leben zur Ehre Gottes des Vaters und unseres Herrn.


Kommentare

Fotos für Tablet oder Handy



Kommentar schreiben:
Name:   E-Mail: 
Bitte aktivieren Sie zum Absenden diese Checkbox und warten Sie einige Sekunden, bevor Sie auf "senden" klicken:
Ihr Kommentar erscheint auf dieser Seite spätestens nach 24 Stunden.
Warum werden nicht alle Kommentare veröffentlicht?
Erstellungsdatum: 24.08.2008 ♦ DruckversionLinks auf andere Internetseiten