Das Abendmahl darf nur am 14. Nisan gefeiert werden

von Eddie

Das zumindest behauptet die WTG und stellt dies ebenfalls als unbedingten Lehrsatz (Dogma) auf.

Frage: Ist das so ok oder nicht?

Die WTG beruft sich dabei auf zwei biblische Tatsachen und Ereignisse, die man nicht wegdiskutieren kann und soll. Trotzdem bleibt die Frage offen, ob das so richtig ist.

Wie üblich, beginnen wir auch hier mit der Bibel.

Tatsache 1 der richtigen Behauptung der WTG ist, dass das Abendmahl (oder: auch Herrenmahl oder Gedächtnismahl genannt) am 14. Nisan des jüdischen Kalenders eingesetzt wurde, und

Tatsache 2 ist, dass es eingesetzt wurde, gleich nach dem Passahfest, noch am gleichen Abend, sozusagen als Ersatz oder Erneuerung desselben. Das alles kann man der HS eindeutig entnehmen, ohne Zweifel.

Jetzt geht es nur noch um die Frage, muss, sozusagen als Gesetz, oder zumindest als Gebot, das weiterhin so eingehalten werden?

Die WTG behauptet: Ja. Denn, so ihre Argumentation, erstens zählt das Einsatzdatum und das vorausgehende Ereignis (das Passahfest) wurde auch immer zu diesem Datum als Erinnerung gefeiert, und zweitens, so die weitere Argumentation, eine Gedenkfeier – und eine solche ist es – wird in der Regel auch nur einmal jährlich gefeiert wie z. B. Hochzeitstag oder andere Feste ebenso. Es wäre sozusagen eine Art Inflation, würde man es öfter, gleich gar täglich feiern.

Man kann es durchaus so verstehen, keine Frage. Wenn es jemand so versteht, dann ist es seine persönliche Sache, die man nicht anfechten sollte. Nur, im Gegenzug, darf ich, wenn ich es so sehe, dann die anderen der Falschlehre bezichtigen?*

Neben der Aussage Jesu „sooft ihr daraus trinkt ... sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt“, was darauf hinweist, dass der Zeitpunkt und die Anzahl der Abendmahlsfeiern völlig frei sind, gibt es keine direkte Aufforderung in der HS, wann und wie man das Brotbrechen, wie es auch genannt wird, zu feiern hat. Die Bibel selbst schreibt hier nichts vor. Deshalb kam es bereits ziemlich zu Anfang der Christenverbreitung zu den ersten Problemen diesbezüglich. Folgende historische Fakten entnehme ich mal aus gegebener Literatur: „Kleine Konziliengeschichte“, geschrieben von einem Priester, sowie „Das Imperium der Päpste“, geschrieben von Hans Kühner.

In der Zeit zwischen 155(?) und 166(?) kam Polykarp, der noch ein „Schüler“ des Apostels Johannes gewesen sein soll, extra nach Rom(!) zu dem dortigen „Papst“ Anicetus, um die sogenannten Osterfeiertage zu erörtern. Im späteren Verlauf der Zeit, zur Zeit des „Papstes“ Victor I, 189 bis 199 u. Z., exkommunizierte dieser die Gemeinden Kleinasiens, da sie sich dem Brauche Roms nicht anschlossen, sondern Ostern weiter, wie in ganz Kleinasien, am 14. Nisan und nicht acht Tage später feierten. Der „heilige“ Irenäus von Lyon stritt Victor I. nicht das Recht ab, den Feiertag festzusetzen, jedoch entschied letztendlich das Recht zur Exkommunikation darüber. Noch später, als am 20. Mai 325 von Konstantin I. („dem Großen“) das erste (= Nizäische) Konzil eröffnet worden war, und das bis zum 25. Juli d. J. andauerte, wurde seitens der Kirche unter „Papst“ Silvester I. das Osterfest auf den ersten Sonntag nach Vollmond verlegt. Ganz offiziell. Seither immer gleich.

Also, auch die Kirche verlegte mal die Feiertage, bzw. legte sie fest.

Aber zurück zur Frage, darf man das Brotbrechen immer nur zum 14. Nisan feiern oder darf man es zu jeder Tages- und Nachtzeit und zu jedem x-beliebigen Datum tun?

Lesen wir einmal Apostelgeschichte, Kapitel 2, die Verse 42 bis 46:

Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft des Brechens des Brotes und in den Gebeten (...). Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot (...).

(Elberfelder Studienbibel-Ausgabe)

Interessant: Täglich verharrten sie ... in der Gemeinschaft des Brechens des Brotes, heißt es hier. Von einmal im Jahr ist hierin nichts zu finden.

Interessanterweise wird dieser Gedanke in der NWÜ kaschiert. Dort heißt es nämlich anstatt „Brotbrechen“ „nahmen das Mahl ein“ und wird dabei mit einer Fußnote versehen, in welcher dann kleingedruckt „oder Brechen des Brotes“ zu finden ist.

Frage: Warum so umständlich? Warum wird das so auf diese Weise und nicht auf direkter Übersetzung getan? Was soll das?

Als einmal ein in der ZJ-Hierarchie etwas höher gestellter ZJ gefragt wurde, warum man denn so verfahre, antwortete dieser sinngemäß: „Die Menschen, die diese Textpassage lesen, sollen nicht denken, die Urchristen feierten das Herrenmahl täglich.“ „Aber sie taten es, laut dieser Textpassage“. „Mag schon sein, aber der Sklave“ (gemeint wird mit dieser Aussage die WTG-Führung – siehe oben) „sagt, dass dem nicht so ist, und wenn dieser das so sagt, dann ist dem so.“

Das klingt schon nach dem alten Nazimotto „Führer befiehl, wir folgen Dir!“

Der Römerbrief ist diesbezüglich ebenso sehr deutlich, was den Turnus des Zusammenkommens bzw. der Gewichtung des Gedenkens des Herrn betrifft. Der Textabschnitt aus dem Römerbrief, Kapitel 14, die Verse 4 bis 6:

Wer bist Du, dass Du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten. Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag (gleich). Jeder sei aber in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt. Wer den Tag beachtet, beachtet ihn dem Herrn.

(Elberfelder Studienbibel-Ausgabe)

Mit anderen Worten: Es ist zwar nicht falsch, was die ZJ generell da tun, jedoch dürfen sie nicht sagen (leider tun sie das aber), dass andere Glaubensgemeinschaften oder Kirchen in diesem Punkte falsch handeln. Genau das ist nämlich das Dogma.

Was die Tageszeit angeht, kann man den biblischen Aussagen und deren Handeln entnehmen, dass das Herrenmahl nach Einbruch der Dunkelheit eingesetzt wurde. Das hatte einen bestimmten Grund: Das Passah ging dem Einsetzen des Neuen Bundes voraus und das musste nach Einbruch der Dunkelheit gefeiert werden. Da der Herr noch in der gleichen Nacht verhaftet wurde (und er das auch im Voraus wusste!), blieb ihm keine weitere Zeit mehr, als noch gleich anschließend in gleicher Nacht – also während der nächtlichen Dunkelheit – den Neuen Bund einzusetzen. Das war und ist aber auch der einzige Grund, warum erst nach Einbruch der Dunkelheit das ganze Geschehen so von statten ging. Ein Gesetz wiederum daraus zu kreieren, wie es die WTG tut, ist nicht richtig. Wenn die WTG es so versteht, wie sie es versteht, kann sie gemäß Anlehnung an oben zitierten Text aus dem Römerbrief das gerne tun. Sie kann aber nicht andere dafür des falschen Handelns anklagen, wie sie das üblicherweise in ihren Ansprachen und Schriftstücken propagiert. Auch das ist wiederum ein Dogma!

*Siehe Hinweis zum Buch „Das Abendmahl“ oben bei Dogma 2

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Erstellungsdatum: 29.06.2019 ♦ DruckversionLinks auf andere InternetseitenDatenschutzerklärungInhaltKontaktImpressum
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