Der Begriff „treuer und verständiger Sklave“ aus Matthäus 24 bezieht sich auf die WTG-Führung

von Eddie

Zunächst einmal die Frage, worum es sich bei dieser Angelegenheit überhaupt handelt. Dazu müssen wir als erstes einmal die Bibel selbst sprechen lassen. Es geht hier um den Text aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 24, die Verse 45 bis 51. Dort wird gesagt:

Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über seine Dienerschaft gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit? Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird! Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen. Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt auf sich warten und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen, so wird der Herr jenes Knechtes kommen, an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn entzweischneiden und ihm seinen Teil festsetzen bei den Heuchlern, da wird das Weinen und Zähneknirschen sein.

(Elberfelder Studienbibel-Ausgabe)

Die WTG behauptet nun, dass dies eine prophetische Voraussage auf ihre heutige Organisation sei. Sie sagt allen Ernstes, sie sei dieser kluge und verständige Sklave (gemäß ihrer eigenen Neuen Welt Übersetzung (= NWÜ)), der die Speise zur rechten Zeit austeilt. Mit „Speise austeilen“ wird die gesamte WTG-Literatur bezeichnet, die ihre treuen Anhänger im Haus-zu-Haus-Dienst verteilen. Dies geschieht in Anlehnung des Wortes Christi, der sagte, „meine Speise ist es, den Willen des Vaters zu tun.“ (Johannesevangelium, Kapitel 4 Vers 34). Nun, christliche „Speise auszuteilen“, ist prinzipiell nichts Schlechtes. Im Gegenteil, die Intention, solches zu tun, ist sehr gut. Nur, eine Ableitung, „wir sind deshalb der einzige, kollektive treue und verständige Knecht (respektive: Sklave)“, ist grundlegend falsch.

Warum?

Schon alleine deshalb, weil auch andere christliche Gruppen und Einzelpersonen desgleichen tun. Auch sie verteilen Speise in dem Sinne, dass sie missionarisch tätig sind, egal, ob von Haus zu Haus oder anderweitig, was durchaus genauso legitim ist, wie diese Art des Predigtdienstes.

Des Weiteren: Ist dem tatsächlich so, wie die WTG behauptet, dass die genannten Verse prophetische Vorausschau bedeuten? Oder ist es nicht so, dass das lediglich eine Form von Gleichnis ist?

Im Grunde genommen deutet mehr auf „Gleichnis“ hin als auf „prophetische Vorausschau“. Dazu gibt es zwei gute Argumente:

Argument 1: Wenn wir den oben aufgeführten Text noch einmal langsam und vor allem genau durchlesen, können wir erkennen, dass sich die Aussage auf einen – also ein und denselben – Knecht oder Sklaven bezieht, der sich sowohl als „guter“ als auch als „böser“ Knecht/Sklave erweisen kann, und nicht auf zwei verschiedene, wobei der eine „gut“ und der andere dann „böse“ wäre. Wenn also die WTG diesem Knecht/Sklaven entspräche, könnte sie gut und böse zugleich sein. Sie behauptet aber von sich selber, nur gut zu sein.

Argument 2: Dass der aufgeführte Text jedoch „nur“ Gleichnis ist und keine Prophezeiung, geht aus einer weiteren Betrachtung hervor. Jesus erklärte Gleichnisse oft mit Gleichnissen (Matthäus, Kapitel 13, die Verse 34 und 35, sowie Lukas, Kapitel 8, Vers 10). Lies doch bitte einmal selbst das Lukasevangelium, das Kapitel 12, die Verse 35 bis 48, und du wirst ganz klar erkennen, dass es sich hier um ein reines Gleichnis handelt, sonst nichts. Dies, so wird vermutet, ist wahrscheinlich der Grund, warum der Text bei der WTG immer so gerne aus dem Matthäusevangelium zitiert und zum Lernen/Behalten im Hirn angepriesen wird, und nicht der soeben aufgeführte Paralleltext aus Lukas. Es könnte schneller auffallen, dass die WTG hierin eine falsche Lehre (ein WTG-Dogma) wiedergibt, anstatt wahrer biblischer Unterweisung.

Ferner: Seitens der WTG wird stets sehr gerne argumentiert, dass es zu biblischer Zeit, zu Beginn des ersten Jahrhunderts, eine zentrale Leiterschaft gab, die die Führung innerhalb der Christen übernahm bzw. innehatte.

Frage: Wo geht das aus der Bibel hervor?

Antwort: Nirgendwo.

Den ursprünglichen Anfang nahm das Christentum in Jerusalem, ja, das ist richtig. Das ist ganz einfach erklärt: Christus starb in (etwas genauer: vor der Stadtmauer von) Jerusalem. Seine Jünger befanden sich auf seine Anweisung hin in dieser Stadt, alleine schon wegen der Herabsendung des Heiligen Geistes. Sie waren in der Tat der „ursprünglichste Ursprung“ der Christen, den es überhaupt gab. Aber, war das zugleich eine Basis für eine zentrale Leitung?

Wenn wir die weitere Geschichte sowohl in der Bibel als auch der ersten nach-biblischen Zeugnisse betrachten, müssen wir die Behauptung einer zentralen Leitung mit einem klaren „Nein“ beantworten. So, um nur einmal ein Beispiel zu nennen, wurden die ersten Missionare nicht von der Jerusalemer Gemeinde (der vermeintlichen Zentrale) offiziell ausgesendet, sondern von Antiochia. Paulus war der erste, der als Missionar zu den Heiden ging, um das Wort der guten Botschaft zu verkünden. Nicht eine „Zentrale“ in Jerusalem hatte ihn geschickt. Er gründete auf seinen Reisen mehrere Gemeinden, die allesamt unabhängig von Jerusalem existierten und agierten. Es gab somit eine Vielzahl einzelner, voneinander völlig unabhängiger Gemeinden. Keine fühlte sich an eine Leiterschaft aus Jerusalem oder sonst wo angegliedert. Alle waren Brüder im Herrn, den Leib Christi bildend. Wenn es mal Probleme gab, egal, welcher Art (und da gab es mehrere, wie wir aus den Briefen Pauli entnehmen können, aber auch von anderen Aposteln), so wurde das mit Briefen und/oder Entsenden von Brüdern geregelt, die keineswegs aus einer „Zentrale“ kamen oder „zentral gesteuert“ waren.

„Und was war denn mit dem Apostelkonzil in Jerusalem?“ mag jemand fragen. Nun, ein einziges Mal kam es zu einem mehr oder weniger „Muss“ eines Zusammenkommens von „tragenden“ Brüdern, um die „Blutfrage“ und anderes zu klären. Dabei darf man eines aber nicht übersehen: Es gab ein Miteinander der Brüder, sowohl aus Jerusalem als auch aus Antiochien (wieder: Paulus), keine „Leitende Körperschaft“ in zentralem Sinne.

Und – ganz wichtig! Wo wäre die „Leitende Körperschaft“ nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 70 durch Tiberius gewesen, hätte es je eine solche gegeben? Nun, die Katholiken behaupten: In Rom; der dortige Bischof habe als Oberprimus agiert, mit seinem Kollegium. Aber, dass das auch nicht richtig ist, wissen alle, die die Bibel weniger aus- denn mehr inwendig kennen.

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Erstellungsdatum: 29.06.2019 ♦ DruckversionLinks auf andere InternetseitenDatenschutzerklärungInhaltKontaktImpressum

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